Myokarditis (Herzmuskelentzündung)
Wie in jedem Muskelgewebe kann es auch im Myokard – dem Herzmuskel – zu einer Entzündungsreaktion kommen. Allerdings ergeben sich hieraus Besonderheiten, da eine starke zusätzliche Belastung des Muskels in Kombination mit Gewebeveränderungen dessen Funktion beeinträchtigt.
Unter Umständen entwickelt sich aus der Herzmuskelentzündung eine Herzschwäche. Bleibt die Erkrankung unerkannt, wird sie verschleppt oder das Herz zu früh belastet, kann die Erkrankung zu einem medizinischen Notfall führen. Besonders die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt in der Diagnostik eine Rolle.

Was ist die Myokarditis (Herzmuskelentzündung)?
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Bei der Herzmuskelentzündung handelt es sich um eine Erkrankung des Myokards, ausgelöst durch verschiedene Ursachen.
- Die Erkrankung kann sowohl junge Patienten als auch ältere Menschen betreffen.
- Wird eine Myokarditis nicht adäquat behandelt, kann sie unter Umständen sogar zum Organversagen führen.
Bei der Myokarditis handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung des Herzmuskels. Durch die Entzündungsreaktion wird die Funktion des Herzens negativ beeinflusst und es kann zu einer erheblichen Schädigung des Herzmuskels kommen. Hintergrund: Entwickelt sich eine Myokarditis, ist diese mit dem Absterben (Nekrose) von Zellen des Herzmuskels verbunden. Wird eine Herzmuskelentzündung nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, besteht das Risiko, dass es zu einem schweren medizinischen Notfall kommt.
Das Entstehen der Erkrankung kann durch verschiedene Ursachen bedingt sein. Zu den besonderen Herausforderungen im Umgang mit der Myokarditis gehören die teils sehr unspezifischen Symptome. Gerade junge Patienten nehmen Krankheitszeichen mitunter nicht ernst, was in der Folge zu einer Überlastung des Herzmuskels durch körperliche Anstrengung führen kann. Das Ergebnis sind schwerwiegende Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz und sogar der plötzliche Herztod.
Die Erkrankung kann sich im klinischen Bild entweder diffus über den Herzmuskel verteilen oder auf klar abzugrenzende Herde beschränkt sein. Die Form der Myokarditis beeinflusst unter anderem die Wahrscheinlichkeit eines Herzversagens. So ist diese im Fall der diffusen Form höher. Greift die Entzündung auf den Herzbeutel über und es kommt zu einer Myoperikarditis.
Auslöser und Risikofaktoren der Myokarditis
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Myokarditis ist oft mit einer vorausgehenden Infektion assoziiert.
- Als Auslöser kommen auch Erreger wie Bakterien, Pilze oder Parasiten in Betracht.
- Kardiotoxine und eine besondere Sensibilität sind ebenfalls dafür bekannt, die Erkrankung zu verursachen.
Die Myokarditis gehört in die Gruppe der Erkrankungen mit mehreren möglichen Ursachen. Zu den häufigen Auslösern gehören Infektionen durch verschiedene Viren und Bakterien. Aber auch andere Möglichkeiten – wie Autoimmunerkrankungen oder unerwünschte Wirkungen verschiedener Arzneimittel – kommen in Frage. Die Gesamtheit der Ursachen lässt sich in infektiöse und nichtinfektiöse Myokarditis-Auslöser einteilen.
Infektiöse Ursachen der Myokarditis
Zu den infektiösen Faktoren, die eine Myokarditis auslösen und den Hauptanteil der Erkrankungen ausmachen, gehören:
- Virusinfektionen (unter anderem mit dem Coxsackie-B-Virus, HIV, dem Herpesvirus, Influenza-oder SARS-CoV-2 [1]),
- bakterielle Infektionen (Streptokokken, Borrelien oder Staphylokokken),
- Pilze (Candida, Histoplasma capsulatum oder Blastomyces dermatitidis) und
- Parasiten (wie Toxoplasma gondii oder Amöben).
Im Hinblick auf die Häufigkeit der einzelnen infektiösen Auslöser treten ganz klar Viren in den Vordergrund. Pilze und Parasiten treten in der medizinischen Praxis wesentlich seltener auf.
Nichtinfektiöse Ursachen der Myokarditis
Neben Infektionen spielen Kardiotoxine (Substanzen, die das Herz schädigen), Medikamente und systemische Erkrankungen eine Rolle. Unter anderem kann die Entzündung durch:
- eine rheumatoide Arthritis (chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung primär der Gelenke, die sich aber auch in einer Herzmuskelentzündung manifestieren kann),
- systemischen Lupus erythematodes (Autoimmunerkrankung, die verschiedene Organe einschließlich des Herzens angreift),
- eine Sarkoidose (Erkrankung, die kleine, knotenförmige Gewebeveränderungen bildet und auch das Herz betreffen kann) ausgelöst werden.
Zudem besteht das Risiko für eine Myokarditis durch Drogenmissbrauch oder eine Exposition gegenüber verschiedenen giftigen Substanzen wie Schwermetallen. Eine von Arzneimitteln ausgelöste Entzündung, die Hypersensitivitätsmyokarditis, kann unter anderem durch Penicillin, Sulfonamiden, trizyklischen Antidepressiva oder Clozapin und Antirheumatika verursacht werden.
Symptome einer Herzmuskelentzündung
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Symptome treten bei Patienten nach einer Infektion nicht selten erst mit einigen Tagen bis wenigen Wochen Verzögerung auf.
- Die Krankheitszeichen lassen mitunter nicht sofort auf eine Beteiligung des Herzens schließen.
- Beim Fortschreiten des Krankheitsgeschehens drohen lebensbedrohliche Komplikationen.
Die Symptome einer Myokarditis sind vielfältig und reichen von leichten, unspezifischen Beschwerden bis hin zu schwerwiegenden Komplikationen. Oft treten die Symptome bei infektiösen Ursachen erst mit einigen Wochen Verzögerungen nach dem Infekt auf.
Sofern Anzeichen wie:
- Fieber,
- Müdigkeit und ein allgemeines Schwächegefühl,
- Atemnot oder
- Kurzatmigkeit (Dyspnoe)
in Kombination mit Brustschmerzen oder einem Engegefühl in der Brust auftreten, sollte an die Myokarditis gedacht werden. Aber auch Herzrhythmusstörungen – die sich beispielsweise durch Herzstolpern, Herzflattern oder Herzrasen äußern können – deuten auf die Myokarditis hin.
Kommt es zu einer fortgeschrittenen Herzmuskelentzündung, wird die Leistungsfähigkeit des Herzens eingeschränkt. In diesem Fall können Ödeme (Wassereinlagerungen, bevorzugt in den Beinen), zunehmende Atembeschwerden und eine abnehmende Leistungsfähigkeit als Krankheitszeichen auftreten. Diese sollten in jedem Fall ernst genommen werden. Unbehandelt kann die Erkrankung lebensbedrohliche Komplikationen wie Herzversagen oder schwere Arrhythmien hervorrufen.
Mehr über LifeLink
Finden Sie jetzt die
Praxis in Ihrer Nähe!
Wir sind überzeugt, dass die Medizin von morgen anders aussehen sollte. Wir sehen den Menschen im Mittelpunkt exzellenter Medizin.
Diagnostik bei Herzmuskelentzündung
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Im Rahmen der Diagnostik greifen verschiedene Methoden ineinander, um einen Verdacht auf Myokarditis zu untersuchen.
- EKG, körperliche Untersuchung und Laborwerte können dem Verdacht auf eine Entzündung des Herzens bereits eine gewisse Wahrscheinlichkeit zuschreiben.
- Neben der Ultraschalluntersuchung des Herzens wird auch eine Kardio-MRT durchgeführt.
Zur Feststellung einer Myokarditis kombiniert die Medizin verschiedene Diagnostikmethoden. Der erste Schritt sind die Anamnese und die körperliche Untersuchung. Anhand der geschilderten Symptome und deren Entwicklung kann der Arzt bei Kenntnis der Infektionsgeschichte des Patienten bereits eine Verdachtsdiagnose stellen.
Zu den weiteren Schritten in der Diagnostik gehören Laboruntersuchungen, mit denen diverse Blutwerte bestimmt werden. Dazu zählen unter anderem verschiedene Entzündungsmarker, die allerdings keine genaue Lokalisation der Entzündungsherde zulassen. Eine genaue Diagnose ist mit verschiedenen bildgebenden Verfahren möglich.
- Echokardiographie: Nichtinvasive Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Herzens, mit der sich unter anderem die Pumpleistung und Klappenfunktion oder eine mögliche Herzbeutelbeteiligung erkennen lässt. Der Herz-Ultraschall liefert bereits Hinweise zur Erkrankungsschwere.
- Kardio-MRT: Mithilfe einer Kernspintomographie des Herzens lässt sich das Krankheitsgeschehen dank der hohen Auflösung präzise darstellen. Damit ist eine umfassende Beurteilung des klinischen Bildes möglich. Die Untersuchung kann unter der Gabe von Kontrastmittel erfolgen.
Neben den genannten Methoden kann zur Untersuchung auch das Elektrokardiogramm (EKG) zum Einsatz kommen. Dieses kann verschiedene Abnormitäten erkennen lassen, etwa im Bereich der ST-Strecke (Bereich in der EKG-Kurve hinter dem Ausschlag, der die Erregungsausbreitung im Herz signalisiert). Um eine kontinuierliche Beobachtung der Herzaktivität zu ermöglichen, bietet sich die Durchführung eines Langzeit-EKG an. Zusätzlich kann in Einzelfällen eine Gewebeprobe des Herzmuskels notwendig sein, um die Diagnose histologisch zu sichern und die Ursache genauer identifizieren zu können.
Radiologie, Nuklearmedizin und Pathologie bei LifeLink
Bei LifeLink stehen Verfahren in den Bereichen Radiologie, Nuklearmedizin und Pathologie im Zentrum, mit denen wir unseren Patienten moderne Untersuchungsstandards bieten. An unseren Standorten sind hochwertige Geräte und technische Ausstattung zur Durchführung von MRT und Computertomographieuntersuchungen, Herzszintigraphie, Ultraschall und D-SPECT-Scans im Einsatz. Darüber hinaus bieten wir unseren Patienten auch in den Bereichen Vorsorge und Strahlentherapie eine umfassende medizinische Betreuung. Dank unseres Online-Buchungstools vereinbaren Sie schnell und komfortabel einen Termin am nächstgelegenen LifeLink-Standort.
Behandlung einer Myokarditis
Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Die Behandlung der Herzmuskelentzündung muss auf den Auslöser und den Schweregrad abgestimmt werden.
- Es geht in der Therapie darum, schwere Komplikationen bestmöglich zu vermeiden.
- Bei Herzversagen kann auch die Behandlung mittels ECMO zu den Maßnahmen gehören.
Hinsichtlich der Behandlung einer Herzmuskelentzündung spielen die Ursache, der Schweregrad der Erkrankung und die individuellen Symptome eine zentrale Rolle. Im Vordergrund steht die Kontrolle des Entzündungsgeschehens und die Stabilisierung der Herzfunktion, um Komplikationen wie eine Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen oder das Organversagen zu verhindern.
Um dies zu erreichen, wird Betroffenen zum Einhalten einer strikten Schonung geraten. Sport und körperliche Belastungen sind für mehrere Monate zu vermeiden, um so das Herz zu entlasten. Dies kann bis hin zur Verordnung von Bettruhe gehen.
Hinsichtlich medikamentöser Therapien sind unter anderem:
- ACE-Hemmer (verbessern die Pumpleistung),
- Beta-Blocker (wirken auf die Herzfrequenz),
- Diuretika (zur Entlastung des Herzens) und
- Aldosteron-Antagonisten im Einsatz.
Sofern Rhythmusstörungen auftreten, können diese mit temporärer Stimulation oder einem permanenten Schrittmacher behandelt werden. Bei einer infektiösen Ursache muss die medikamentöse Therapie auf den Erreger abgestimmt werden, etwa im Rahmen einer Antibiotika- oder antiparasitären Behandlung. Führt die Myokarditis zu einem Pumpversagen des Herzens, kann die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) als Maßnahme notwendig werden [2].
FAQ zur Myokarditis (Herzmuskelentzündung): Die wichtigsten Fragen und Antworten
Wann sollte ich unbedingt zum Arzt?
Leicht erhöhte Temperatur und Gliederschmerzen veranlassen Betroffene selten dazu, einen Arzt aufzusuchen. Sobald Brustschmerzen, eine spürbare Veränderung des Herzschlags und Atemnot dazukommen, sollte ärztliche Hilfe aber unbedingt in Anspruch genommen werden. Zwar steckt nicht zwangsläufig eine Myokarditis hinter solchen Krankheitszeichen, ein entsprechendes Risiko besteht jedoch.
Kann ich mit einer Herzmuskelentzündung weiterleben?
Die Myokarditis ist nicht automatisch eine lebensbedrohliche Erkrankung, die sofort zu einem akuten Notfall wird. Bei umgehender Behandlung und einem Befolgen der einzelnen Therapiemaßnahmen kann die Erkrankung gut ausheilen. Allerdings besteht eine ungünstige Lebenszeitprognose dann, wenn es zu umfassenden Schädigungen des Herzmuskelgewebes kommt. Speziell für die Virus-Myokarditis deuten Studien auf entsprechende Szenarien hin [3].
Kann ich mich selbst – etwa mit einer Smartwatch – auf eine Myokarditis testen?
Nein, zwar bringen moderne Smartwatches Funktionen zur Puls- und Blutdruckmessung sowie für das EKG mit. Die Aussagekraft ist allerdings eingeschränkt, zumal die Genauigkeit der Messung auch davon abhängt, ob diese entsprechend den Vorgaben durchgeführt wird. Eine Smartwatch kann in keinem Fall einen Arztbesuch ersetzen.
[1] Davis MG, Bobba A, Chourasia P, Gangu K, Shuja H, Dandachi D, Farooq A, Avula SR, Shekhar R, Sheikh AB. COVID-19 Associated Myocarditis Clinical Outcomes among Hospitalized Patients in the United States: A Propensity Matched Analysis of National Inpatient Sample. Viruses. 2022 Dec 14;14(12):2791. doi: 10.3390/v14122791. PMID: 36560794; PMCID: PMC9785561.
[2] Vercek G, Markelj G, Mlakar G, Primec ZR, Bertok S, Writzl K, Stefanija MA, Bajic S, Vesel S, Ihan A, Stritar A, Pokorn M, Kovac J, Debeljak M, Vidmar I, Avcin T, Grosek S. Rezidivierende fulminante Myokarditis mit wiederholtem Einsatz der ECMO bei einem Kind. Klin Padiatr. 2019 Mar;231(2):80-86. German. doi: 10.1055/a-0831-2593. Epub 2019 Mar 14. PMID: 30870874.
[3] Greulich S, Seitz A, Müller KAL, Grün S, Ong P, Ebadi N, Kreisselmeier KP, Seizer P, Bekeredjian R, Zwadlo C, Gräni C, Klingel K, Gawaz M, Sechtem U, Mahrholdt H. Predictors of Mortality in Patients With Biopsy-Proven Viral Myocarditis: 10-Year Outcome Data. J Am Heart Assoc. 2020 Aug 18;9(16):e015351. doi: 10.1161/JAHA.119.015351. Epub 2020 Aug 13. PMID: 32787653; PMCID: PMC7660832.